Wer sich in bevölkerungspolitische Diskussionen einmischt…

… hat schon alles verkehrt gemacht.

Dass die meisten Leute hierzulande völkische Freaks, wie Sarrazin wohl durchaus einer ist, nicht kritisieren liegt – wie sich mir nach dem Ansehen dieser furchtbaren Beckmann-Sendung aufdrängt – nicht daran, dass sie sich dafür zu schade wären, oder seine „Furchtbaren Thesen nicht durch Kritik aufwerten wollen“ – in die Sendung sind die entsprechenden Herrschaften gekommen. Vielmehr stellte es sich so dar, dass sie die Grundlage des Nachdenkens, den Gegenstand ihrer Fürsorge teilen – eben auch im Fall Sarrazin. Ja, Renate Künast, Frau Özkan, Herr Yogeshwar und der unvermeidliche Olaf Scholz („Am Ende des Buches finden sich Forderungen, die wir ja alle teilen…„) sind sich einig: Deutschland soll vorankommen in der Welt, für Staatszwecke muss „Bevölkerungspolitik“ doch taugen. Kein Wort wird verloren über die Brutalität, die diese Kategorie schon vor der Füllung mit konkretem politischem Inhalt voraussetzt – und das ist ja im Sinne einer demokratischen Öffentlichkeit sehr Sachgerecht, die immer nur Kritik übt und üben kann, in dem sie die Herrschenden an ihren Maßstäben des Erfolgs misst.

Eine Kritik daran, dass noch bevor ein Bevölkerungspolitiker zu Tate schreitet und unter diesem Stichwort, Streetworker losschickt, Renten kürzt oder intelligente Juden ein- und „Kopftuchmädchen“ ausbürgert, allein dieses Wort sagt: Menschen sind hier Herrschaft unterworfen, die noch ihre bloße Existenz (geboren werden, Sterben, … eben „Demographie“ und ihr Wandel) zum Gegenstand der Kalkulationen einer politischen Gewalt macht, die damit ihre Zwecke verfolgt, geht ihnen vollkommen ab.

Auf der Grundlage diskutieren Beckmanns Gäste nun ob dafür (Deutschland, sein Vorrankommen in der Konkurrenz der Nationen, usw.) Selektion, (ein paar mehr intelligente Juden ein paar weniger „Kopftuchmädchen“) oder Integration (Demokratische Erziehung, Erziehung zum Leistungsstreben, ein „deutscher Islam“ etc.) besser taugen.

In den Streit wie ein staatsnützliches Menschenmaterial herbeizuregieren ist mischt man sich vernünftiger Weise nicht ein, sonder kritisiert die Grundlage der Auseinandersetzung: Die Sorge um die Nation, den Standort Deutschland und sein Vorankommen im Hauen und Stechen der Nationen mit allen Ekelhaftigkeiten die dabei für Land & Leute herauskommen.

5 Antworten zu “Wer sich in bevölkerungspolitische Diskussionen einmischt…

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  2. Gustav Mühsam schreibt dazu bei Facebook:

    ich will das mal weiterführen…
    jaa, denn die sorge um deutschland ist wohl etwas umenschliches.
    denn da geht es nicht darum was für die menschen (auf der ganzen welt) das beste wäre, dafür bräuchten wir auch keine völker oder ähnliches konstruieren. bei der sorge um deutschland geht es darum wie wir weiterhin im wettbewerb mit anderen konstruierten nationen ganz vorne dabei sein können, dazu muss wohl auch der wettbewerb in deutschland zwischen den menschen vorangetrieben werden.
    dieser wettbewerb ist unmenschlich, führt zu unzufriedenheit und so zu mehr gewalt und haß.

    ich denke gegenseitige hilfe und solidarität also ein liebevolleres miteinander sollten unsere ideale sein und nicht besitzanhäufung und unsterblichkeit.
    sowas hören wir in den stumpfen talkshows natürlich selten, das ist viel zu unkonformistisch.

    liebe grüße

  3. Und ich antworte:

    Deinem Ersten Absatz stimme ich soweit zu. Das kann ich als eine Ergänzung zu meinem Artikel sehen. Auch wenn Völker nicht „konstruiert“ sind, in dem Sinne, dass sie „nur eine blöde Idee“ wären, die sich hartnäckig in den Köpfen hält, sondern ein staatliches Programm das eben mit Gewalt aufrechterhalten wird. Auch würde ich eher das Wort „schädlich“ als „unmenschlich“ wählen – denn wie soll etwas, dass Menschen tun etwas anderes sein als… menschlich?

    Deinem zweiten Absatz stimme ich nicht zu. Der Witz mit den „Idealen“ ist doch gerade, dass sie allgemein Akzeptiert werden – auch von den Deutschlandfreunden die da in der Sendung sitzen – und trotzdem nie in die Wirklichkeit treten. Und meien Behauptung lautet: Dazu sind sie auch gar nicht gedacht. Sie sind das Geistige Beiwerk zu dieser Gesellschaft.

    Das Kapitalverhältnis, Nationalismus, etc. aus der Abwesenheit von Moral zu erklären geht zu beiden Seiten hin nicht auf. Zum einen *sind* es ja moralisch gesonnene Menschen die in dieser Gesellschaft die Führungsposten besetzen zum anderen klappt es nie aus einem „nicht“ etwas zu erklären: Die Handlungen der Regierung sind nicht moralisch – ja was hat man denn über die Handlungen jetzt erfahren? was sind sie denn dann?

    Statt also Moralität einzufordern sollte man sich über die Zwecke dieser Herrschaft klar werden (die eben nichts mit der Befolgung moralischer Grundsätze zu tun haben) und schauen wie man sich zu *denen* stellt…

    Was das ganze mit Unsterblichkeit zu tun hat weiß ich nicht und das ein Hurra-Deutschland-HartzIV’ler besonders viel Besitz „anhäufen“ würde sehe ich auch nicht…

  4. Auch der GegenStandpunkt hatte sich schon vor einem Jahr im Heft 4-09 der Thesen (nicht nur) des Herrn Sarrazin angenommen:
    „‚Biete türkisch-arabische Unterschicht – suche osteuropäische Juden‘
    Thilo Sarrazin fordert ein gescheites Volk für den deutschen Staat“

    http://www.gegenstandpunkt.com/gs/09/4/gs20094c11h1.html

  5. Bei Freerk Huisken ist ebenfalls etwas zu finden
    http://www.fhuisken.de/Sarrazin.pdf

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