Kategorie-Archiv: Allgemein

Klimakonferenzen scheitern nicht – Business as Usual

Dieser Artikel wurde Verfasst für Projekt*Z – ein Zeitungsprojekt bei JANUN e.V.

There is no Planet B vs. Trying to cut CO² isn't going to work

"Trying to cut CO² now isn't going to work"

(Jugendumweltnetzwerk Niedersachsen). Die Zeitschrift kann kostenlos dort bestellt werden.

Was das Klima versaut und warum es einigermaßen gemein ist “den Menschen” dafür verantwortlich zu machen

Klimawandel in aller Munde
Dürren, Hungersnöte, Wüstenbildung; auch verheerende Tornados wie “Katharina” (2005) oder Tsunamis mit zerstörerischen Folgen – seit einiger Zeit werden diese Ereignisse von SZ, Zeit, Bild & co in Zusammenhang mit dem “menschengemachten” Klimawandel gebracht und auch die so genannten “Klimaskeptiker_innen” sind (anders noch als in den Jahrzehnten zuvor) eine Randerscheinung geworden. Man kann also sagen, dass das Thema “Klimawandel” als Problem in der s.g. “Mitte der Gesellschaft” angekommen ist. Es ist Gegenstand der allgemeinen medialen Debatte und kommt in Talkshows, Nachrichtensendungen, Magazinen etc. vor.
Das Schicksal der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen liegt hier wie selbstverständlich in den Händen der Staaten, die die entsprechenden Gebieten beanspruchen: So wird “das Klima” auch in politischen Programmen, Gesetzen und internationalen Verträgen behandelt. Die Staaten sind die Souveräne, wenn es um das Leben der Leute geht – eben auch beim Klima. Weiterlesen

[Artikelserie] Gar nicht stachlig: Kritik junggrüner Kapitalismuskritik

Die Zeitschrift zum Thema "Kapitalismus"Die Grüne Jugend Niedersachsen (Parteijugendorganisation der Partei die Grünen) hat sich Ende 2009 mit dem Thema „Kapitalismus“ beschäftigt und dabei unter anderem eine Ausgabe der Mitgliederzeitung „Der IGEL“ produziert die hier in einigen Artikeln kritisiert werden soll.

Das Original findet sich hier; ist aber für die Lektüre meines Textes nicht zwingend zu lesen.

ACHTUNG: Zum besseren Lesen habe ich meine Erwiderungen zu einem Reader (PDF) gebündelt, der hier heruntergeladen werden kann. Er ist gegenüber der Web-Version was Fußnoten und Formatierungen angeht um einiges Komfortabler.

Zum IGEL: “Die Kritik der politischen Ökonomie”

Zum IGEL:”Wir brauchen ein neues Naturverhältnis”

Zum IGEL: Zeremonielles Tauschsystem in Neuguinea

Zum IGEL: “Alternativen zur kapitalistischen Sozialpolitik”

Zum IGEL: Lernst du schon oder sparst du noch?

Zum IGEL: Sonstige Aritkel

Zum IGEL: Sonstige Aritkel

Der folgende Text ist eine Kritik an einem Text, der hier zu finden ist http://sollbruchphantasien.blogsport.eu/2010/06/03/artikelserie-igel/

Thesen zu „Der Preis unserer Kleidung“

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um einen typischen konsumkritischen Text, der fälschlicher Weise versucht die Missstände, die die kapitalistische Produktionsweise hervorbringt über den Konsum der Leute zur erklären.

  • Wie auch in anderen Texten dieser Machart wird darauf verzichtet, genauer zu erklären, worin denn dieser Zusammenhang bestehen soll.
  • Mit der Fragestellung: „Was tragen wir als Konsument_innen dazu bei?“ (Hervorhebung von mir) ist zumindest eins zugegeben: Der Konsum der Leute ist nicht der Grund für die Schädigung der Leute hier und anderswo.
  • Mit der Suche nach diesem Grund beschäftigt sich der Text nicht. Wie ich in den anderen Texten dargelegt habe, bin ich der Auffassung, dass Marktwirtschaft und Eigentum den Lohn zu einem notwendig klein zu haltenden Kostenfaktor degradiert – dieses Prinzip wird an den von Julian ausgebreiteten Beispiel nur überdeutlich.
  • In den erwähnten Weltgegenden herrscht kein anderes Prinzip als in Deutschland: Die Marktwirtschaft. In dieser bestimmen die Produzenten (nicht „König Kunde“!) was und wie produziert wird.
  • Auf die Frage: „Was haben die Konsumenten damit zu tun?“ zu antworten „Naja sowas wie KIK z.B.“ ist absurd. Habe ich etwas KIK aufgemacht? Weder haben die Konsument_innen hierzulande sich ausgesucht, dass es soetwas wie eine Schrott-Klamotten-Firma geben soll, noch haben sich Leute gewünscht dort einzukaufen: Ihre finanzielle Situation lässt ihnen vielmehr kaum eine andere Wahl.
  • Es ist eine Gemeinheit diesen Leute, die in dieser Wirtschaft eh schon auf der unbequemen Seite stehen (Arbeitslose, Arbeitnehmer_innen) nun noch moralisch die Schuld für Folgen der Produktionsweise am anderen Ende der Welt in die Schuhe zu schieben, in dem man ihn indirekte Beteiligung an Lohnrückerdei vorwirft.
  • Die Lohndrückerei ist kein Ergebnis des „unbewussten“ Einkaufs der hiesigen Bevölkerung, sondern notwendige Konsequenz dieser Wirtschaftsweise.
  • Bewusster Konsum (fairer Handel, etc.)  taugt daher nicht als Mittel gegen diese Missstände: Wenn – wie der Artikel selbst zu gibt – durch solche Kampagnen nur „Alibi-Betriebe“ in die Welt kommen, verweist das darauf, dass in dieser Wirtschaftsweise in voller Absicht und im vollen Bewusstsein der folgen eine rücksichtslos auf Verwertung getrimmte Produktion betrieben wird. Bei einer solchen PR-Veranstaltung von einem „Schritt in die richtige Richtung“ zu sprechen, währen im Rest der Welt die Menschenvernutzung weitergeht, dass es nur so kracht – ist zynisch.
  • Von einer „sozialen Verantwortung“ der Unternehmer_innen zu sprechen ist angesichts des realen Verhältnisses total schräg. Der Zweck eines Unternehmens ist (in der Konkurrenz allemal notwendig) Geld zu vermehren – nur dafür tragen sie Verantwortung. Die Ergebnisse davon dürfen wir jeden Tag bestaunen.

Bildung in der Lobbykratie Deutschland

  • Für diesen Text gelten im Großen und Ganzen die Anmerkungen zum Text „Lernst du noch oder sparst du Schon“ (Seite 9)
  • Der vorliegende Text legt in Puncto Nationalismus noch mal eine ordentliche Schippe drauf.
  • In diesem Text soll die Bildungspolitik überhaupt nicht mehr an den Interessen der Studierenden gemessen werden. Der Einstieg ist direkt der Abweis daran, dass man vielleicht einfach nur schöner und einfacher studieren will. Es geht um eine große Sache: Die Nation und ihr vorankommen: „Deutschland lebt von,…“, „Bildung ist Zukunft“, etc. pp.
  • Unter diesem Maßstab wird den Herrschenden nicht die Rücksichtslosigkeit gegen das Wohlergehen der Student_innen zur Last gelegt. Man kreidet vielmehr an, dass die Herrschenden ihren staatlichen Interessen nicht gerecht werden. Die jetzige Bildungspolitik sei nicht Konkurrenzfähig gegenüber Indien und China.
  • Dem ist entgegen zu halten: Die deutschen Politik tut alles um die Konkurrenzfähigkeit des Standorts Deutschland zu erhalten: macht euch da mal keine Sorgen. Darüber, das dabei Studiengebühren etc. herauskommen, sollte man sich dann bitte nicht beschweren: Dem hohen Ziel ist es zutiefst dienlich.
  • P.s.: Von einer „Geiz ist Geil Manier“ kann nicht wirklich Rede sein: Bei den Studiengebühren geht es weniger um die läppischen 500€ pro Student_in (um die auch) sondern vielmehr darum, die Studierenden an zu treiben schnell als „Fachkraft“ dem Markt zur Verfügung zu stehen: Insofern also dem gebilligtem Ziel gegen China und Indien zu bestehen sehr dienlich!
  • Das vorliegende Verständnis von Staat zu kritisieren wäre dringend nötig, würde aber leider den Rahmen sprengen. Kurzer Gedankenanstoß: Er ist es der die ganzen Ursachen der Missstände mit seiner Gewalt aufrecht erhält.

Thesen zu Zurück zur Normalität

  • Die Normalität in diesen Ländern, dem Armenhaus der Welt, ist Hunger und Tod – obwohl genug Nahrungsmittel produziert werden um alle Menschen auf der Welt zu versorgen. Der Grund sind Marktwirtschaft und Privateigentum. Wie oben erwähnt sind Brote in dieser Welt nicht zum essen da, sondern um dem Herstellenden das Kapitals zu vermehren. Deswegen wäre es ökonomisch nicht denkbar den Hungernden auch nur das Überschüssige zu geben. Das würde (so wird das von einigen NGO’s ja auch „non-pc“ proklamiert) vor Ort die Märkte zerstören und das letzte bisschen Anwendung von Arbeitskräften dort ersticken. So hart und einfach gestaltet sich der Grund, warum täglich 100.000 Menschen verhungern: Es findet sich kein Kapital, das sie ausbeuten will.
  • Mir wird nicht klar, welche Konzepte in dem Artikel als „überholt“ kritisiert werden.

Zum IGEL:“Wir brauchen ein neues Naturverhältnis“

Auch am letzten Artikel im Heft, der so fundamental-kritisch daher kommt gibt’s von meiner Seite etwas zu meckern.

Richtig liegt der Artikel meine ich damit, dass sich aus dem Verhältnis von Kapital zu Arbeiter_in, Arbeit und natürlicher Lebensgrundlage (siehe auch im Artikel bündig geleisteten Analyse der Klimapolitik der Nationalstaaten) klugerweise eine grundsätzliche Kritik und Ablehnung gegenüber Kapitalismus und Nation ergibt.

Andererseits wird das kapitalistische Verhältnis zur „Natur“ nicht richtig bestimmt und somit bleibt die Folgerung auch schräg bzw. hat einige schräge Implikationen die in Richtung einer Mensch-Natur bzw. eines Wesen des Menschen gehen.

Ersteinmal ist es eine Binsenweisheit, dass die Veränderung der Natur (z.B. zur Formung von Gütern) in Form von Arbeit stattfindet – das ist in jeder Gesellschaft so.

Und auch bemerkt wird, dass es in dieser Gesellschaft nicht auf die Schaffung nützlicher Gebrauchsgüter, sondern um die Verausgabung von möglichst viel abstrakt menschlicher Arbeit1 zum Zwecke der Kapitalvermehrung geht.

Nehmen wir das jetzt aber zusammen: Naturveränderung findet durch Arbeit statt – und Arbeit ist in dieser Gesellschaft Lohnarbeit zwecks der Kapitalvermehrung; dann kann von einem abstrakten Verhältnis der Gesellschaft zu der Umwelt gar keine rede mehr sein. Es ist das Verhältnis des Kapitals zur Umwelt das ihre Schädigung nach sich zieht: Sie ist ihm nur Mittel zum mehr werden. Daher stimmt es schon: Wir – als die Geschädigten – bräuchten ein „neues Naturverhältnis“ – aber wir – als Wahlvolk – entscheiden darüber gar nicht.

Zu beginn wirkte der Artikel, als würde der Kapitalismus als etwas gesehen, was dem Menschen innewohnt, ja quasi sein Wesen ist. Warum sonst sollte ein „Anthropozentrismus“ kritisiert werden? Ist es doch das Verhältnis der Kapitals zu der Lebensgrundlage der Menschen, dass die Schädigung hervorbringt und nicht der Mensch in seinem Interesse. Aus der Sicht des Kapitals ist die Umwelt nicht relevant als Lebensgrundlage der Leute, die auf diesem Planeten leben. Es betrachtet sie ausschließlich als Mittel zum mehr-werden. Ein anderes Interesse als daraus lohnende Produkte herzustellen und darin möglichst kostenlos Abfälle zu entsorgen gibt es nicht. Dieses Verfahren ist über das Privateigentum und Grenzwerte lizenziert und gewollt. In der Konkurrenz um Marktanteile und Gewinnmagen erreichen die einzelnen Unternehmen dabei immer neue Rekorde im Waldabholzen und Gift-in-die-Gegend-Kippen. (wahlweise auch ins Essen; siehe „Exkurs zu Grenzwerten“ auf Seite 7)

Eigentlich ist es nicht nur falsch sondern auch einigermaßen gemein in einer Welt in der die Interessen der einzelnen gegenüber Kapital und Staat nichts gelten, sie in Form der Gesellschaft dafür anzuklagen, wie sehr sie angeblich zu ihrem Vorteil die Umwelt nutzen. Gerade das ist ja nicht der Fall.

Was wiederum dagegen einzuwenden wäre, erschließt sich mir ebenfalls nicht. Was spricht dagegen, dass sich Menschen zusammentun und die Welt so herrichten, dass sie (und kommende Generationen) darin möglichst gut (bequem und nach ihren wünschen versorgt) leben können?

Wenn stattdessen die abstrakte Position der Natur (also nicht anthropozentrisch vom Menschen aus gedacht, als seine Lebensgrundlage) eingenommen werden soll, müsste mir mal eine_r sagen wofür das denn gut sein soll.

Es ist die Verlängerung eines moralisches Argument von der Umwelt als Wert an sich, welches in hiesigen Verhältnissen immer wieder herangezogen wird, weil das eigene Interesse (z.B.  daran das eine Autobahn nicht gebaut wird) als egoistisch und nicht am „Gemeinwohl“ ausgerichtet zurück gewiesen wird, sodass etwas Höheres / moralisches zur Erhöhung der eigenen Intentionen herangezogen wird? 2

Die Leute die so ein Argument heran ziehen wissen: Gegen die nationale Sache des Wachstums gilt ein Privatinteresse sowieso nichts. Da liegt es nahe ein moralisches Arguments als letzten Strohhalm oder gar ein nationalistisches („Deutschland braucht aber…“) heranzuziehen.3

Warum aber sollte das noch notwendig sein, wenn die Ausbeutung abgeschafft ist und die Interessen der Leute (statt denen des Kapitals) Geltung haben? Würden diese nicht selbst darauf kommen – ganz anthropozentrisch – die Umwelt als Garant ihrer Gesundheit, Gebrauchswertproduktion etc. zu erhalten?

12)  Schaut euch doch mal den Flyer von einer Bürger_inneninitiative an, da steht nie – „das soll nicht  gebaut werden, weil wir das nicht wollen“; da steht immer „Wir als Bürger…, die Natur an sich…, Deutschland braucht…., etc. pp.

13)  Das viele Leute sich es auch wirklich einleuchten lassen, die Welt ständig durch die schwarz-rot-goldene „Wir-Brille“ zu betrachten ist noch einmal ein anderes Thema. Man denke z.B. an den IGEL-Artikel zum GND der die Stärkung des „Standort Deutschland“ verhandelt. (Siehe „Alternativen zur kapitalistischen Sozialpolitik“)

Zum IGEL: Zeremonielles Tauschsystem in Neuguinea

Mich stört am Artikel neben der zumindest im letzten Absatz anklingenden Romantisierung indigener (d.h. Im Verhältnis zu den technisch vorhandenen Produktionsmitteln besonders kärglicher) Lebensweisen (als wären die immer so selbst gewählt…), vor allem die Romantisierung des Tausch an sich.

Wenn die Autorin am Ende die Gleichgültigkeit eines Menschen an der Supermarktkasse in Leipzig oder Hannover kritisch mit der Party eines Stammes in Neuguinea vergleicht, betrachtet sie nur die Äußerlichkeiten dieses Aktes. Sie legt den Fokus nicht darauf, was Tausch ist, was Tausch und Privateigentum für eine Gesellschaft bedeuten, sondern darauf was sich die Leute dazu denken.

Der reale Tausch ist nichts weiter als ein Erpressungsverhältnis.

Es geht um die (gegenseitige) Ausnutzung des Bedürfnisses des anderen: Hast du nichts anzubieten, bekommst du nichts. Niemand bekommt bei Aldi ein Brot weil er Hunger hat, er muss etwas anbieten können: Geld. Und nichts wird besser, wenn Ware gegen Ware getauscht wird: Wer nichts hat bekommt nichts – die Bedürfnisse der Leute (nach Brot, Schwein, Mokka,…) sind dabei vollkommen gleichgültig, es zählt nur das man sie damit erpressen kann, etwas anderes herauszurücken. Das ganze passiert im Angesicht von Produktionsmitteln die sehr wohl im Stande wären alle Menschen mit einem flotten Konsum zu versorgen – nur ist das eben nicht der Zweck der Wirtschaft im Kapitalismus.

Und dann ist es mir auch egal ob nach einem Tausch genervt die Supermarkttüten nach Hause getragen werden oder ein Fest veranstaltet wird. Ich persönlich hab gar keine Lust in einem Umfeld der ständigen Erpressung (selbst mit dem Lebensnotwendigen) noch gute Mine zum bösen Spiel zu machen. Dieser Gesellschaft ist es mit ihrem staatlich garantierten Recht auf Tausch des Eigentums so ernst, dass nützliche Sachen vernichtet werden, wenn sie sich nicht tauschen lassen: Villen stehen leer, bei gleichzeitiger Wohnungsnot, Autos stehen bei VW auf Halde, während der TÜV warnt, dass die Autos auf den Straßen zu unsicher sind; bis hin zu: Leute verhungern, während Butterberge und Milchseen vernichtet werden – eben weil es um den Gebrauchswert der Sachen nicht geht, sondern ausschließlich darüber an Geld zu kommen.

Das die Big Men einen Kodex haben der ihnen gebietet „mehr zu geben“ als der andere macht den Tausch aus dem Beispiel nicht besser – wie soll denn das auch gehen? Beide geben mehr? Es ist schlicht ein Zeremoniell: den Big Men stünde, legten sie auf diese Sitte aus mehr als aus formalen Gründen wert, immer offen ihren gesamten Besitz gegen eine Kleinigkeit zu tauschen – das kommt aber sicher selten vor.

Zum IGEL: „Alternativen zur kapitalistischen Sozialpolitik“

Der vorliegende Text strotzt nur so vor Nationalismus und hat mit einer vernünftigen Kritik an „kapitalistischer Sozialpolitik“ (von Alternativen ganz zu schweigen) nichts zu tun.

Zum einen ist natürlich die Gegenüberstellung „Soziale Marktwirtschaft“ und „Green New Deal“ keine von unterschiedlichen „Systemen“. Die Kategorien, die die Marktwirtschaft ausmachen (und in denen die grundsätzliche Schädigungen der Leute angelegt sind) – Privateigentum, Markt, Konkurrenz etc. – bestehen erklärter Maßen auch unter einem Regime des GND weiter. Nur das Herrschaftsprogramm soll ein wenig modifiziert werden: Etwas mehr Sozialleistung, ein bisschen niedrigere Lizenzen zur Umweltverpestung an die Unternehmen. Der Zweck, die nationale Sache des Wachstums bleibt der selbe wie bei allen anderen Parteien auch: 1

„Hingegen könnten intelligente Investitionen nach „Green New Deal“ zu einer Stärkung des Standort Deutschland führen.“

Das ist doch mal ehrlich: In der Kalkulation warum der GND jetzt so eine tolle Sache sein soll, kommen die Menschen mit ihren Interessen (Versorgung mit Gütern, lebenswerte Umwelt, etc.) nur als Mittel des Wachstums vor. Ziel und Zweck ist die Nation und ihre Bestand in der Konkurrenz der Staaten. Dieses Ziel ist unvereinbar mit einem schönen Leben!

Weitere Kritikpunkte die aus Zeitgründen nur thesenartig angerissen werden können:

Die Erklärung der Bankenkrise stimmt so nicht, kann hier aber auch nicht geleistet werden. Zu eine vernünftigen Erklärung sei auf die Broschüre „Finanzkrise 2008ff – Was ist hier eigentlich los?“ von Junge Linke verwiesen: http://tinyurl.com/JL-Finanzkrise

Was soll denn bitte „Marktversagen“ sein? „Der Markt“ ist doch gar kein Subjekt von irgendwas. Die Banken sind da schlicht mit ihren normalen, kalkuliert risikoreichen Geschäften gescheitert.

Ob ein Bankgeschäft „windig und spekulativ“ oder „solide“ ist, lässt sich immer erst hinterher sagen: Kreditgeschäfte sind immer Geschäfte mit dem Risiko!

Von „amerikanischen Problemen“ kann überhaupt keine Rede sein: Über Geschäftsbeziehungen waren das doch tatsächlich ganz reale Probleme für deutsche Unternehmen.

Absatz 3 ist Unsinn: Mit „Mentalität“ hat Kapitalismus doch überhaupt nichts zu tun.

Was soll die „Zentralstellung des Geldes im Wirtschaftskreislauf“ sein? – Geld ist doch das allgemeine Äquivalent auf das der Staat seine Untertanen absichtsvoll verpflichtet und Ziel allen Wirtschaftens in einer Marktwirtschaft!

An einer Formulierung lässt sich besonders gut die Absurdität der marktwirtschaftlichen Produktion ablesen: „Sinnlos gebaute Häuser“. Obwohl es genug Leute gibt die ein Dach über dem Kopf bräuchte, sind diese Häuser „sinnlos“: Es lässt sich mit ihnen kein Geld verdienen. Zum wohnen würden sie sehr wohl taugen, aber darum geht es in der Marktwirtschaft nicht. Der Gebrauchswert ist nur Mittel um an Geld zu kommen. Und so kommt es, dass in den USA mittlerweile Polizei in den Straßen zwischen leeren Häusern patrouilliert, damit die Leute nicht in ihre alten Häuser zurück gehen!

Die These der Staat würde Arbeitnehmern und Arbeitslosen mit dem GND „Fortschritt“ bringen verdreht die Tatsachen: Es ist der Staat der überhaupt durch die Garantie des Privateigentums sicherstellt, dass es (siehe wieder Punkt 1) Arme und Reiche gibt, also Leute die von den Produktionsmitteln getrennt und dadurch von den Früchten der Innovation ausgeschlossen sind. Das garantiert der Staat: So zu tun, als wäre der Staat jetzt der Retter, der den Armen die sonst nichts hätten das Überleben ermöglicht, ist Unfug: Es ist der Staat, der die Massenhafte Armut herstellt.

Den Vorschlag, Notfalls auch mit „Druck“ durchzusetzen, dass Klimaschutzziele eingehalten werden, lässt sich die Herrschaft sicher gern gefallen: In Kopenhagen hat sie bereits versucht, andere Staaten auf  den Erwerb von umweltschonenden Produkten aus D-Land zu verpflichten, um aus der Katastrophe einen Markt zu machen.

Der Staat kann sich jederzeit in die Wirtschaft einmischen. Die Idee von einer Trennung von Wirtschaft und Staat ist absurd. Ohne Staat kein Privateigentum, ohne Privateigentum keine Leute, die zum Arbeiten verdammt sind und keinen Kapitalismus.

Die Unternehmen haben eine Profitrechnung in der es nur um die Vermehrung des abstrakten Reichtum geht. Das ist keine „kapitalistische Denkweise“ die nur den Großkonzernen eigen wäre: Die würden in einem Internationalen Handel ja tatsächlich untergehen wenn sie nicht bei den Lohnkosten „rationalisieren“.

Zu Bildung als Ressource für den Standort ist unter „Lernst du schon oder sparst du noch?“ einiges gesagt .

9) Mir gefällt an dieser Stelle nur, dass das so ehrlich auf den Punkt gebracht ist. An den Inhalten den Grünen könnte man das wahrscheinlich überall nachweisen.

Zum IGEL: Lernst du schon oder sparst du noch?

Der vorliegende Text ist ein gutes Beispiel für den aktuellen Bildungsdiskurs, wie er von Student_innen mit der Politik Ende 2009 geführt wurde.1 Er reiht sich nahtlos ein zwischen den einzelnen „AK Inhalt“-Inhalt Papiere in den Städten und den Programmen der Parteien – daher ist die Kritik an diesem Text auch als eine an Studienprotesten und grünen „Bildungsoffensiven für Wachstum“ etc. zu verstehen.

Der Text beginnt mit einer sympathischen Frage: Was hätte ich eigentlich mit den 500€ gemacht? Die Autorin stellt einen Schaden an ihrem Interesse fest, die (vielleicht hart erarbeiteten) 500€ selbst auszugeben.

Doch statt nun auf dieser Grundlage nach den Ursachen für diese Schädigung ihres Interesses zu suchen und diese zu kritisieren, also den Bildungsbetrieb für die eigene Schädigung verantwortlich zu machen, wird sich gerade dem Zweck, den der Laden mit einem hat angebiedert und nach seinen Maßstäben versucht zu begründen, warum denn Studiengebühren eine blöde Idee sein sollen.

Die Autorin nimmt also die Interessen des Staates und ihre Durchsetzung als gegeben – das darin schon ihre Schädigung (das miese Studium) angelegt ist, taucht als Möglichkeit in ihren Überlegungen nicht auf. Und so will sie die Durchsetzung staatlicher Interessen nur eben möglichst so, dass die Student_innen dabei nicht all zu sehr zu Schaden kommen. Statt nach den Gründen zu fahnden, warum denn nun der Staat Bildung exklusiv, teuer und stressig einrichtet und vielleicht auch darauf zu kommen das der Wunsch nach einer schönen Zeit, in der man viele nützliche Dinge lernt nicht zusammenpasst mit den Interessen der politischen Gewalt, die Universitäten und Schulen ein- und die jeweiligen Insassen zu ihren Zwecken herrichtet.

(Nur Nebenbei: mir wird nicht klar warum man überhaupt noch überlegt, was die Uni mit den Studiengebühren anstellt. Findet man den sonst immer so vehement kritisierten s.g. „Sozialen Ausschluss“ usw. auf einmal okay wenn dadurch nun doch ein neues Tutorium und ein paar neue Stühle und Tische beschafft werden? Wenn Nein, hätte man sich den zweiten bis vierten Absatz vielleicht auch sparen können – warum die Verwendung von Studiengebühren kritisieren, wenn man sie komplett ablehnt?!)

Spätestens nach der (mir zusammenhanglos erscheinenden) Anekdote wird klar, wohin die Reise geht. Die Zustände im Bildungssystem sollen nicht am Widerspruch zu den Interessen der Studierenden blamiert werden – sondern daran, dass die „sozial selektive“ Praxis des Bildungsbetrieb nicht mehr genug verwertbares Menschenmaterial für die Nation zur Verfügung stellt: „Deutschland braucht Hochschulabsolventen, aber stellt sich dem selbst in den Weg?“

Wenn dieser herrschende Zweck – alles muss sich daran messen lassen ob es verwertbar ist für Kapital und Nation – erst einmal als auf jeden Fall zu akzeptierender Maßstab der theoretischen Auseinandersetzung gesetzt ist, kann man sich auf nichts mehr berufen, wenn man ein schöneres Studium einfordern will!

Denn eine solche Forderung ist dann ja nur euer Privatinteresse – das Interesse der Nation an ausgebildeten Arbeitskräften („Deutschland braucht..“) ist ja schon lange darüber gesetzt. Wer also damit wirbt, dass er die „Elite von morgen“ ist und ja vom Land gebraucht würde, spricht damit nichts weiter aus als die Einladung zum wohle der Nation jeden noch so gemeinen Scheiß gegen die Studierenden durchzusetzen – wenn er denn (im Sinne des Staates) funktioniert (denn nur daran will man die Maßnahme ja messe; siehe: „… aber stellt sich selbst in den Weg?“). Was eigentlich, wenn am Ende herauskommt: Für die nationalen Zwecke war die Bildungsreform genau richtig? Hört die Studentenschaft dann auf zu protestieren?

Das staatliche Verhältnis zur Bildung2 (ausschließlich als Grundlage für den nationalen Erfolg) ist übrigens auch ein guter Grund Schule nicht zu renovieren und sich an überfüllten Vorlesungen nicht zu stören – offenbar stimmt der Akademiker-Output auch so.

Die Autorin hat offenbar kein Problem mit der Konkurrenz in die alle in dieser Gesellschaft gestellt sind: Sie nimmt sie als gegeben und selbstverständlich. Wenn abschließend die Abschaffung der Studiengebühren gefordert wird, um dem Bildungssystem die „soziale Selektivität“ zu nehmen, wird damit nicht weniger vertreten als das Ideal einer gleichberechtigten Konkurrenz („Chancengleichheit“). Wenn alle (auch die Arbeiter_innenkinder) die selbe Chance hatten sich im Wettbewerbe um einen Studienabschluss (denn durch die Abschaffung der Studiengebühren kommen ja nicht auf einmal neue Studienplätze in die Welt…) zu beweisen, dann ist das Ergebnis auf jeden Fall in Ordnung – egal wer danach nun Putzkraft statt Lehrer_in wird oder was für Gemeinheiten ihm/ihr sonst als Verlierer_innen in der Konkurrenz zu teil werden.

Um einmal abschließend die offenbar irgendwie rhetorisch gemeinte Frage zu beantworten, in „was für einem System“ wir eigentlich leben: Im Kapitalismus. Und da hat der Staat seine Insassen gerne Mundgerecht fürs Kapital und für das Wachstum seiner Wirtschaft– qualifiziert, dynamisch, flexibel, leistungsbereit – ihr kennt das ja; nicht zuletzt von Grünen Kampagnen für „Wachstum durch Bildung“ an denen man auch schon sehen kann: Auf das was die Leute an Interessen und Bedürfnissen haben ist erklärter maßen geschissen (es heißt ja nicht „Schöneres Leben durch Bildung“), es geht um die nationale Sache: das Wachstum – und dieser Zweck steht nun einmal in einem Gegensatz zu einem schönen Leben; ob nun für Studierende oder Arbeiter_innen. (→ Siehe „Zum IGEL: Kritik der politischen Ökonomie“)

9) Das man momentan einfach ein Studium braucht um später finanziell und jobtechnisch einigermaßen zurechtzukommen: geschenkt. Was aber von staatlichen bzw. universitären Bildungsinhalten allgemein zu halten ist und ob es überhaupt lohnt konkret zu streiten um in deren „Genuss“ zu kommen, wäre auch noch einmal ein Thema für sich…

Zum IGEL: „Die Kritik der politischen Ökonomie“

[Formatierungen konnten nicht übernommen werden] Auf Seite 3 widmet sich Max Pichl dem (wie selbst zugegeben) unmöglichen Versuch auf weniger als 1½ Seiten die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie1 zusammenzufassen. Leider bleiben die Punkte die wiedergegeben werden dem / der Leser_in unzugänglich bzw. als bloße Aussagen stehen. Der Text kann somit kaum etwas von der politischen Sprengkraft entfalten, die in den Gedanken steckt, die zusammenfassend werden sollen. An dieser Stelle sei also versucht einiges (natürlich ebenfalls verkürzt) nachzuholen.

1. Im Text heißt es: „Marx theoretische Analysen haben nicht nur ihren Eingang in die Sozialwissenschaften gefunden, er wird auch in der Psychologie, Geographie, Architektur oder im Recht diskutiert. Eine Beschäftigung mit seinen Analysen ist daher unumgänglich, möchte man auch heute den Versuch starten nicht nur die Folgen von aktuellen Krisen zu interpretieren, sondern auch die Ursachen zu ergründen.“

Im Klartext also: Weil Marx angeblich noch (oder schon wieder ?) in verschiedenen Wissenschaften diskutiert wird, muss man sich mit ihm beschäftigen. Das Argument dafür sich mit ihm auseinander zusetzten, ist also nicht das Interesse am Gegenstand des Werkes bzw. der Frage, wie Kapitalismus funktioniert und was das für die Leute so bedeutet.

Wozu sollen denn eine „grundsätzliche Kritik an diesem Gesellschaftssystem“ formuliert werden? In der Geisteswissenschaftlichen Community stehen die Marxschen Analysen als „ein wichtiger Ansatz“ (von vielen) gleichberechtigt neben zahlreichem anderem Unsinn und erheben selbstverständlich keinen Anspruch auf praktische Konsequenzen (eine vernünftige Konsequenz wäre ja z.B. die Übel, die man ausmacht abzuschaffen). Wenn also die Marxsche Analyse gilt (und nicht nur irgendwie mal so ganz interessant zu kennen ist), dann ist der Großteil von dem, was noch in diesem IGEL steht, nichts als krude Ideologie und die daraus entwickelten Schlüsse und politischen Handlungsansätze falsch.

Versuchen wir uns also mal anzusehen wie man die Gedanken aus dem alten Buch auf die real existierende „Soziale Marktwirtschaft“ anwenden kann, statt Erkenntnisse über die Welt in der wir leben2 zu einem Quasi-Geschmacksurteil zu erklären.

2. Die Darstellung der Werttheorie misslingt und kommt ohne Zusammenhang recht unpolitisch daher. Nach einem kurzen historischen Abriss über die Entstehung des Kapitalismus folgen sofort Ansätze zu technischer Innovation und Ware. Es wäre meiner Auffassung nach verständlicher gewesen direkt  an dieser Stelle zu zeigen wie der/die Arbeiter_in im Kapitalismus Wert schafft und warum das im Marxschen Sinne Ausbeutung des Arbeiters bedeutet:

Der_die Arbeiter_in ist im Marxschen Sinne „doppelt frei“. Zum einen „frei“ von den Mitteln seiner Bedürfnisbefriedigung – er hat nichts (keine Maschine, kein Feld, etc.) womit er die Dinge herstellen kann um den täglichen und nicht so täglichen Bedarf (z.B. an Lebensmitteln oder einem Stuhl) zu decken.

Zum anderen ist er/sie frei im rechtlichen, vom Staat garantierten Sinne: Der/die Arbeitende ist nicht mehr Leibeigener eines feudalen Herrschers oder so was; er genießt Vertragsfreiheit. Der Grund, warum Marx etwas zynisch diese „doppelte Freiheit“ betont  soll sich im Folgenden zeigen: sie ist keine tolle, weil moderne Einrichtung, sondern eine fiese Angelegenheit für den_die der_die als doppelt Freie_r in dieser Welt lebt. Und diese doppelte Freiheit existiert bis heute:

Besitze ich selbst nichts außer meiner Arbeitskraft, bin ich darauf angewiesen diese zu verkaufen. Das gilt 2010 genauso wie nach dem ersten Weltkrieg im sg. „Fordismus“ – was das mit Hunger und Armut zu tun hat wird sich zeigen. In erster Linie begründet diese Freiheit den Zwang seine Arbeitskraft zu verkaufen um an Geld in Form von Lohn zu kommen.

Durch diesen gewaltsam hergestellten Unterschied zwischen Besitzenden und Habenichtsen kommen „Arbeitgeber_innen“ und „Arbeitnehmer_innen“ in die Welt. Die „Arbeitnehmer_innen“ geben ihre Arbeitskraft für einen Lohn her, die „Arbeitgeber_innen“ nehmen die Arbeit um ihren Reichtum zu vermehren – dies soll im folgenden erläutert werden.

Arbeitskraft hat eine entscheidende Eigenschaft die überhaupt erst die Ausbeutung der Arbeiter_innen ermöglicht:

Sie kann aus Natur (Holz, Stahl, etc.) mit Hilfe von Maschinen oder Werkzeugen Nützliche Dinge (Windräder, Stühle, etc.) herstellen. Das ist in jeder Gesellschaft so.

Im Kapitalismus ist darauf reduziert, dass sie dabei mehr Wert, als zu ihrer Reproduktion in Form von Lohn ausgezahlt werden muss schafft. Die Reproduktion der Arbeitskraft wird aus dem Lohn geleistet: Der_die Arbeiter_in verknuspert das gezahlte Geld und steht somit am nächsten Tag wieder dem Kapital zur Verfügung – nur dafür ist der Lohn ausreichend & gut.

Das heißt im Umkehrschluss leider nicht, dass der Lohn immer für die Reproduktion des individuellen Arbeiters reicht. Vielmehr reicht er für die Reproduktion der Arbeiter_innenklasse. Diese muss für die erfolgreiche Verwertung des Kapitals weiterbestehen, sie ist – wie sich im Folgenden zeigen wird – Mittel des Profits, der Kapitalvermehrung. Das heißt eben, dass nicht die individuelle sondern nur die Klassenreproduktion sichergestellt sein muss: So kann es z.B. sein, dass der_die Kapitalist_in den Lohn unter die zur Reproduktion des einzelnen nötigen Summe drücken kann, wenn genügend neues benutzbares Menschenmaterial in Form von Arbeitslosen zur Verfügung steht. (Stichwort Sweatshops, da reicht der Lohn für den_die einzelne_n oft nicht)

In der Volkswirtschaft heißt es: Gewinn ist das, was vom Verkaufserlös nach Abzug der Kosten (inklusive Kosten für die Arbeitskraft) übrig bleibt. Das ist nichts weiter, als die Preisgabe des Verhältnisses in dem die die Anwendung der Arbeitskraft mehr Produkte (also mehr Wert) schafft als für ihre Reproduktion in Form von Lohn gezahlt werden muss. Dieser geschaffene Wert dem kein Arbeitslohn gegenüber steht – der Mehrwert – geht in das Eigentum des Kapitalisten über.

Beispiel Stuhl: Nehmen wir an,  das Holz, die Schrauben und die Farbe für einen Stuhl bei Ikea kosten 10€; die Maschinenstunde (Strom, Reparaturen, etc.) kostet auch 10€ und der Arbeitende kostet (Juhu, Mindestlohnniveau ;))  das Unternehmen ebenfalls 10€ in der Stunde.

Angenommen er/sie schafft in einer Stunde die Herstellung eines Stuhl, der am Ende für 60€ verkauft wird.

Dann hat er/sie selbst 10€ verdient und das Kapital des Menschen, der Holz, Maschinen und Co im Wert von 20€ vorgestreckt hat schon um 30€ reicher gemacht: Sein eingesetztes Kapital von 30€ hat sich verdoppelt (Je nach Kostenlage sieht das anders aus. Es können auch nur 20% mehr werden oder 600%…)

Es entsteht der oben genannte Mehrwert: Der Wert, den der Lohnarbeiter durch seine Arbeit produziert und der über den Ersatz des Wertes seiner Arbeitskraft (über den Lohn) und der eingesetzten Produktionsmittel hinausgeht.

Wäre die Vermehrung des Eigentums des Kapitals und die damit möglich Geldvermehrung nicht der Effekt einer solchen Produktion, würde er/sie auch keine Fabrik betreiben und Leute einstellen – wofür sollte er/sie das auch tun?

Dieses Verhältnis, in dem der Arbeitende fremdes Kapital vermehrt nennt Marx „Ausbeutung“

Die Begriffe von Ausbeutung sind auseinander zuhalten. Viele sprechen erst von Ausbeutung wenn so wenig bezahlt wird, dass sich davon nur noch ein richtig beschissenes (oder kein) Leben führen lässt. Marx benennt hier aber ein grundsätzliches Prinzip und meint nicht den Fall, dass Leute es auf die Spitze treiben. 2500€ als Facharbeiter bei Opel in Bochum sind somit genauso Ausbeutung, wie 2,50€ in der Woche in einem Sweatshop im globalen Süden – eben, weil beide von den Früchten ihrer Arbeit nur sehr beschränkt und indirekt profitieren.

An dieser Stelle also schon einmal soviel: Lohnarbeit heißt ganz grundlegend und prinzipiell: anderer Leute Geld vermehren (→ Ausbeutung). Dafür (und nur dafür!) wird der, wie es so schön heißt, Lohnabhängige bezahlt. Dafür kann der Lohn nicht klein genug sein, da er notwendig ein Kostenfaktor in der Profitrechnung ist.

3.Weiterhin wird für meine Begriffe die Marxsche Analyse der Bedeutung von technischer Innovation für Arbeitende  auf den Kopf gedreht. Marx stellt gerade nicht fest, dass „Technisierung […] einerseits zu einem gesellschaftlichen Fortschritt führen [kann], weil die Menschen immer weniger arbeiten müssen und sich daher selbst emanzipieren können.“3 Zumindest nicht im Kapitalismus. Das durch den Staat garantierte Privateigentum sorgt dafür das alle „Früchte“ dieser Entwicklung ausschließlich dem Kapital zu gute kommen.

Technische Neuerungen sind im Kapitalismus Mittel der Einzelunternehmer_innen in der Konkurrenz um andere auszustechen. Über die Verlängerung des Arbeitstags versuchen sie die Zeit in der Wert für sie produziert wird auszudehnen. Stößt dies an (staatliche) Grenzen, wird die Konkurrenz auf dem Feld der Produktionsoptimierung bzw. Produktivkraftentwicklung weiter betrieben: der „Output“ wird durch bessere Maschinen gesteigert um sich neue Marktanteile zu sichern.

Die Möglichkeit, die technische Entwicklung zur Arbeitserleichterung für die Menschen zu nutzen (das soll hier vermutlich mit gesellschaftlichem Fortschritt gemeint sein) schließt Marx für die herrschende Wirtschaftsweise auf jeden Fall aus. Da technischer Fortschritt in dieser Gesellschaft nur als Mittel des Kapitals zur Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit, zur Steigerung des „Outputs“ vorkommt.

Und wenn wir in die Realität schauen leuchtet es jedem/jeder sofort ein: In der jetzigen Gesellschaft ist eine technische Neuerung, z.B. eine Maschine die mehr Produkt (z.B. mehr Stühle) in weniger Zeit schafft nicht dafür da, dass dann alle sagen: “Juhu, wir können früher nach Hause gehen, wir brauchen ja weniger Zeit um die angepeilte oder benötigte Menge Stühle herzustellen.“

Die Maschine ist ein Mittel für ein Unternehmen um Kosten zu sparen und besser in der Konkurrenz zu bestehen. Ihr Einsatz muss sich lohnen: Der Kapitalist kann nun mehr Produkt in weniger Zeit produzieren lassen. Daraus ergeben sich für ihn zwei Möglichkeiten: Zum einen kann er die gesunkenen Kosten (respektive den größeren Mehrwert) nutzen um den Verkaufspreis zu senken und so anderen Marktanteile streitig zu machen um höheren Profit einzufahren oder er erhöht die Menge der ausgestoßenen Produkte nicht und kann sich den Rest der Arbeiter (respektive ihre Lohnkosten) sparen und vergrößert seinen Gewinn über die Verringerung der Kosten.

Die nun überflüssigen können nach Hause gehen und bekommen ab sofort keinen Lohn mehr – die haben also auf jeden Fall schon mal nichts positives gehabt von der technischen Neuerung. Denn statt das sie sich über die gewonnene „Freizeit“ freuen können, sind sie nun arbeitslos: ihnen bleibt  der Lohn weg und sie haben noch weniger Zugang zu den Dingen die sie wollen und brauchen – HartzIV, yippie. 4

Und für die verbleibenden Arbeiter_innen wird’s auch nicht schöner: Von Arbeitszeitverkürzung (und auch das kann jede_r mit Blick in die Realität feststellen) nicht die kleinste Spur – wenn die Verbleibenden nicht gar noch härter rangenommen werden um die Anschaffungskosten der Maschine wieder herauszuholen.5

4. Die Darstellung des Doppelcharakters der Ware bleibt ebenfalls reichlich unkritisch. In dem Gedanken der hier wiedergegeben wird steckt ein extrem ekelhafter Umstand, der nicht so richtig herauskommt: Es gibt im Kapitalismus neben den Gebrauchswert, den eine Sache eh hat (auf einem Stuhl kann man sitzen) noch als zweiten gesellschaftlich vermittelten Wert, den „Tauschwert“. Jeder findet es selbstverständlich, dass sich Dinge in einem bestimmten Verhältnis gegen andere austauschen lassen. (2 Dosen Bier gegen 8 Tomaten, 1 Auto gegen 25.000 Tomaten  …was auch immer). Der Staat verpflichtet einen zudem auf ein allgemeines Tauschmittel, dass sich in einem bestimmten Verhältnis gegen alles austauschen lässt (2 Tüten Brötchen = 3€ = 2 Dosen Bier).

Wenn sich nun, wie im Kapitalismus, alles produzieren nur um diesen zweiten Wert dreht dann kommt es auf den Gebrauchswert in der Konsequenz nicht an.

Unternehmen produzieren Waren (Stühle) um daran zu verdienen. Es geht ihnen gerade darum über den Tauschwert ihr Kapital zu vermehren und nicht um die Versorgung der Leute mit Gebrauchswerten.

Ikea stellt Bertil, Billy, Börje & co doch nicht her weil die Leute gern irgendwo drauf sitzen Wollen oder einen Platz brauchen um ihr Zeug unterzubringen – sondern weil sie diese Bedürfnisse ausnutzen können um jemanden Geld abzunehmen.

Das ist keine Lapalie, sondern ein hartes Urteil über diese Gesellschaft, das in seiner Brisanz gar nicht überschätzt werden kann: Der Sinn und Zweck der Produktion in diesem Wirtschaftssystem ist die Vermehrung von Geld. Die Versorgung der Menschen mit nützlichen Gütern ist maximal ein Abfallprodukt dabei – und findet eben ziemlich oft gar nicht statt.

Exkurs zu Umweltpolitik und Grenzwerten: Das ist auch die Erklärung für alle Skandale von Giftrückständen in Essen und Spielzeug bis Gammelfleisch: Ein Unternehmen wird im Kapitalismus nicht betrieben für gute Gebrauchswerte. Der heiß geliebte Bio-Landwirt  ist genau wie der  Groß-Konzern darauf angewiesen sein Kapital zu vermehren um gegen die anderen in der Konkurrenz zu bestehen. Und da ist jedes Mittel recht – manchmal eben sogar über das staatlich erlaubte hinaus, aber nicht das es da unbedingt verbrecherische Energie bräuchte um irgendwelchen Mist zum essen angeboten zu bekommen: Die Schweinereien  zu denen der Staat den Unternehmer_innen die Lizenz erteilt (habt ihr euch schon mal gefragt, warum „Bio“, also gesundes Essen eine Extrakategorie in dieser Wirtschaft ist? – Bio gibt es doch nur, weil giftiges Essen der marktwirtschaftliche Normalzustand ist!) sind schon für Umwelt und Gesundheit verheerend genug. Grenzwerte sind eben nicht die Beschränkung des Kapitals im Raubbau an der Umwelt sondern gerade die Lizenz dazu so damit zu verfahren wie sie damit verfahren.

Es ist der kalkulierende Umgang des Staates mit der Gesundheit der Leute und deren natürlicher Grundlage um als Kapitalstandort gut dazustehen, der diese Werte hervorbringt: In der Abwägung zwischen gut verwertbaren Menschenmaterial (niedrige Grenzwerte) und Standrotvorteilen gegenüber anderen Nationen durch Attraktion giftintensiver Industrie (hohe Grenzwerte). In dieser Rechnung hat die Gesundheit der Einzelnen aus persönlichem Interesse oder das Interesse an einer intakten Umwelt keinen Platz – beides gilt nur als Mittel für Staat und Kapital.

Nur damit der Unterschied klar wird: Vernünftig wäre es natürlich für die Bedürfnisse der Menschen, z.B. nach gutem Essen, zu produzieren und dabei auf die Erhaltung der Umwelt für jetzt und später zu achten. Hier ist das aber nicht so, hier wird nur für den Profit gewirtschaftet – und da sind eben Rationalisierungen die logische und marktwirtschaftlich vernünftige Folge und nicht der individuellen Gemeinheit und Böswilligkeit der Betreiber_innen Geschuldet: Ein Kapitalist, der Kapitalist bleiben will, ist muss sich in der oben genannten Weise verhalten. Max Pichl schreibt dazu in seinem Text zusammenfassend:

„1. Profitmaximierung und die Akkumulation (Vermehrung) des Mehrwerts sind systemisch bedingt und nicht in der „Gier“ einzelner Personen angelegt“ Daraus leitet sich allerdings nicht ab dieses Verhältnis zu akzeptieren, sondern gerade nach den Ursachen für diesen systematischen Zwang zu suchen.

5. Mit dem Abschnitt „Die Neubestimmung der Arbeit“ werden erste politische Implikationen herausgearbeitet. Es kommt das von mir oben angerissene gleichgültige Verhältnis einer kapitalistischen Ökonomie zur Versorgung der Menschen zur Sprache. Allerdings nur unter dem Aspekt „Verschleierung“ des Produktionsprozesses. Darüber ließe sich streiten: Mal abgesehen von der Mehrwertproduktion, die man tatsächlich erst einmal verstehen muss (Warum werden die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer?) – liegen die Ergebnisse diese Wirtschaftsweise doch auf der Hand. Täglich bekommen wir Arbeitstag, Schultag usw. zu spüren, müssen mit unseren knappen Geldmitteln Kalkulationen anstellen, sehen Hunger & Leid etc. pp.

Überhaupt finde ich diese Schwerpunktsetzung angesichts der Gemeinheiten die sonst noch in diesem Punkt stecken (der Gebrauchswert ist nicht das Ziel, Arbeiter_innen sind von den Produkten ihrer Arbeit über das Privateigentum ausgeschlossen, etc.) unverständlich.

Ebenfalls etwas lasch kommt die Folgerung aus der Werttheorie daher: „Für den/die FabrikbesitzerIn ist es ökonomisch nicht vorteilhaft, wenn er/sie den Stuhl nur für den Preis verkaufen würde, der sich nur aus dem Material aus dem der Stuhl besteht, und der Arbeitskraft, die in die Produktion des Stuhls gesteckt wurde, zusammensetzt“

Dieser Satz stellt das reale Verhältnis auf den Kopf: Wie ich oben versucht habe darzulegen, ist der Zweck der Produktion in dieser Gesellschaft die Vermehrung des Kapitals. Dies geschieht über die Ausbeutung der Arbeiter_innen und der damit verbundenen Mehrwertproduktion. Die Formulierung „… ökonomisch nicht vorteilhaft“ legt nahe, es gehe hier mit der Ausbeutung um etwas was noch zur Produktion dazu kommt. Dem ist nicht so: Die Ware zu einem Preis zu verkaufen der einen Mehrwert einstreichen lässt, war doch überhaupt erst der Grund, warum eine Fabrik aufgemacht und Leute eingestellt wurden. Der entscheidende Punkt ist ja, dass die Unternehmer_innen ihr Einkommen überhaupt nur aus dem Profit bestreiten – d.h. sie müssen ihn schon deshalb wollen. Der Zweck der Profite ist dennoch nicht ihre flotter Konsum, sondern sie müssen einen möglichst großen wollen, weil sie in Konkurrenz zu anderen stehen. Ohne Profit findet keine Produktion im Kapitalismus statt. Die Formulierung „Für den/die FabrikbesitzerIn ist es ökonomisch nicht vorteilhaft..“ usw. tut ja so, als ob die Unternehmer sich erst beim Verkauf ihrer Waren Gedanken machen, was sie mit denen eigentlich wollen. Ein weiteres Mal sei nach oben verwiesen wo ich kurz versuch habe darzulegen warum der Tauschwert als Maßstab der Produktion an sich schon eine Welt bedeutet, in der auf die Bedürfnisse der Leute geschissen ist. Es wäre absurd erst ein Ausbeutungsverhältnis über Wert und Privateigentum einzurichten und die Früchte dieser Ausbeutung dann nicht zu behalten sondern den Ausgebeuteten zu geben. Dann bräuchte es dieses ganze Verhältnis doch gar nicht.

Die angeführte Stelle aus dem Text könnte man weiterhin so verstehen, als ob Profit dadurch entsteht, dass der Kapitalist einfach etwas auf die Herstellungskosten aufschlägt. Die Vorstellung der Entstehung von Mehrwert (Profit) durch Aufschlag geht mit einer falsche Vorstellung von Ausbeutung einher:

Der kapitalistische Reichtum ist nicht damit zu erklären, dass Unternehmer etwas auf ihre Herstellungskosten aufschlagen. Das würde heißen, Mehrwert entstünde auf dem Markt. Wäre das so, dann müssten alle industriellen Kapitale die Waren immer teurer verkaufen, als diese Wert sind, um ihr Kapital zu vermehren. Eine allgemeine Überteuerung würde sich aber selbst aufheben. Der von einem Unternehmer so erzielte Mehrwert ginge bei seiner erneuten Verwandlung in Ware (Kauf von Material und Arbeitskraft) ja wieder verloren. Gesamtgesellschaftlich würden sich die Aufschlagprozesse wechselseitig aufheben. Marx zeigt, dass der Mehrwert nicht in der Sphäre der Warenzirkulation entstehen kann und folgert daraus, dass er dann in der Sphäre der Produktion entstehen muss. Wie das passiert, wurde oben versucht darzulegen.

6. Die Lektüre macht nicht klar worauf Marx hinaus wollte: Im Kapitalismus ist die Güterversorgung der Menschen zu einem Abfallprodukt des Wirtschaften degradiert, er selbst als Arbeiter zum Anhängsel der Maschine.

Marx gibt damit eben nicht nur die Analysemethoden und Werkzeuge in die Hand um die Krisen und Katastrophen der herrschenden Wirtschaftsweise zu ergründen sondern macht klar: Der Kapitalismus stellt sich feindlich gegen die Menschen die in ihm leben. Eine politische Lesart müsste bedeuten kontroverser ausfallen – freilich kann man dann schlecht partei-jugendpolitische Beschlüsse und Resolutionen daraus basteln. Der Schluss, den Marx zieht:

„(…) alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“.6

1) Der Begriff „politische Ökonomie“ wird oft synonym verwendet mit „Kapitalismus“. Zwar ist das Marxsche „Kapital“ eine Kritik des Kapitalismus, der Untertitel des Werks („Kritik der politischen Ökonomie“) meint jedoch zwei Aspekte. Zum einen soll die „wissenschaftliche“ Disziplin „politische Ökonomie“ kritisiert werden. So bezeichnete man zu Marx‘ Zeiten den „Forschungsbereich“ den man wohl heute „Wirtschaftswissenschaften“ nennen würde.  Zum Begriff siehe z.B.: http://de.wikipedia.org/wiki/Politische_%C3%96konomie Zum anderen soll die Ideologie kritisiert werden, es handele sich bei Ökonomie um etwas Übergeschichtliches, Immergleiches dem Menschen eigenes, etc. – Marx sieht Ökonomie als höchst politisches Machtverhältnis.

2) Hier steckt die Behauptung drin: Wir leben momentan im Kapitalismus. Die sogenannte „Soziale Marktwirtschaft“ ist Kapitalismus, wie sich auch im folgenden zeigen wird. Dies ist auch gemeint als Einwand gegen diejenigen im Verband die immer erst Zustände in denen es menschenvernutzungsmäßig besonders hart zur Sache geht als „kapitalistisch“ bezeichnen.

3) An dieser Stelle war mir nicht klar ob nicht doch die richtige Sache gemeint ist. Sollte hier mit der Möglichkeit der Emanzipation gemeint sein, dass die Maschinen und die damit verbundene Produktivkraft eine gute Voraussetzung sind um in einer anderen, an der Bedürfnisbefriedigung der Menschen orientierten Gesellschaft, alle zu versorgen, so ist das natürlich richtig. Im hier und jetzt gilt aber das, was ich versuche im Folgenden zu beschreiben.

4) In dieser Gesellschaft werden die oben genannten Gedanken nicht beherrscht. Es sollte klar geworden sein, wie es  zu Entlassungen kommt und warum es in der Marktwirtschaft Arbeitslosigkeit geben muss. Statt diese marktwirtschaftliche Notwendigkeit zu erkennen macht die demokratische Öffentlichkeit sie zum Fehler des einzelnen, beklagt seine Faulheit etc.: man kriegt zu seiner Armut man dann noch den Hohn & Spott von Spinnen wie Koch und Konsorten gratis dazu. Wo man nun wirklich der letzte ist, der darüber zu entscheiden hat, ob man selbst für die Vermehrung fremden Reichtums gerade gebraucht wird oder nicht.

5) Hiergegen wird gern gesagt, dass immer weniger körperliche Arbeit in den Fabrikhallen verrichtet wird. Dies ist kein ernsthafter Einwand gegen das Gesagte: Darin drückt sich viel mehr aus, dass körperliche Arbeit zu unrentabel ist gegenüber den Möglichkeiten die Maschinen bieten. Wäre dies nicht so zieht man sofort wieder Arbeiter_innen für diese Dienste heran: In „Entwicklungsländern“ sind die Löhne so niedrig, dass es sich wieder lohnt Menschen für Arbeiten einzusetzen die technisch gesehen schon lange von Maschinen verrichtet werden können. Mit Menschenfreundlich- oder –feindlichkeitt hat weder das Eine, noch das Andere zu tun: Es ist eine stinknormale marktwirtschaftliche Kalkulation die dafür sorgt, dass in den Sweatshops so rücksichtslos gegen Menschen eine Produktion betrieben wird.

6) Marx Engels Werke Band 1, S. 385